
"Prima!", rief Kurtchen, als ihm Tante Hildegard eröffnete, dass es eine Fahrradtour zum Möhnesee geben würde. "Hast du denn auch deine Badehose vom Änderungsschneider abgeholt, Kurtchen?", fragte Hildegard mit bohrendem Blick. "Aber natürlich Tantchen! Vorgestern, gleich nach dem Harmoniumunterricht!", rief Kurtchen sichtlich erregt. "Und? Passt sie nun wieder?", fragte die Tante weiter. "Tjaja, sie ist zwar nun etwas zu groß, aber da wachse ich schon rein. Dann muss ich eben einen Gürtel tragen." "Schlaues Kurtchen..." Tante Hildegard war stolz auf ihr Kurtchen. Seit er unter ihrer Obhut war, hatte Kurtchen nicht nur 30 Kilo zugelegt, sondern auch sprechen gelernt und das Seepferdchen gemacht. Nun war er ein hervorragender Konversateur und ganz verrückt danach, im Möhnesee zu schwimmen. Die 800 Höhenmeter zum Stausee schaffte Kurtchen inzwischen auch ohne zu schieben. Am See angekommen schlüpfte Kurtchen behände in seine ballonseidene Badehose, zog den Nietengürtel fest und hüpfte mit einer Pirouette in das trübe Nass.

Heute sollte ein richtig guter Tag werden. Heiner hatte gerade angetrunken sein Golf-Cabriolet vor dem elterlichen Carport abgestellt, im Zuge dessen den Blumenkübel touchiert, den er vor wenigen Wochen im Schützenfestsuff mit Erbrochenem gefüllt hatte, und war in die Küche geeilt, um seinen Segelschein zu holen. Heiner war etwas in Eile, denn sein Terminkalender war voll. Nicht nur dass er heute anlässlich der Abiturvorklausuren als Stufensprecher beim Abiturvorklausurenstreich den Eimersaufwettbewerb Schüler gegen Lehrer hatte bestreiten und gewinnen müssen, es stand ihm am frühen Nachmittag auch noch das feucht fröhliche Bruderschaftssegeln der Jungliberalen bevor. Heiner war wie immer megabusy. Schnell noch den Lacoste-Pulli und die Henri Lloyd-Regenjacke geschnappt. Man weiß ja nie, was das Wetter so bringt.

Unmöglich! Nicht auszuhalten! Demokratiegefährdend! Entwürdigend! Ein Affront gegen die Weltgemeinschaft der Freidenkenden! Skandalös! Unverantwortlich! Höchst brisant! Da wird noch drüber zu reden sein! Schon ein Klops! Auweia! Oha! Um Gottes Willen! Erbärmlich! Katastrophal! Eine Frechheit! Furchtbar! Ohne mich! Brutalst unnötig! Beschämend ehrlich! Ehrlich beschämend! Das es sowas überhaupt geben darf! Zum Haare raufen! Unerhört! Widerlich! Ekelhaft! Grauenvoll! Gruselig! Iiih! Bah! Pfui! Unglaublich! Furchtbar! Lachhaft! Da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt! Ich raste aus! Da möchte man einfach nur noch weinen! Das nützt doch nur den Schurkenstaaten! Gefährlich! Jugendgefährdend! Ruinös! Desaströs! Entsetzlich! Fatal! Folgenschwer! Haarsträubend! Scheußlich! Einfach nur schlimm! Eine Tragödie! Unerträglich! Fürchterbar! Schauderhaft! Er hätte ja wenigstens noch ein Leibchen überziehen können!

Halb Südböhmen war auf den Beinen, als der Große František seine Abschiedsvorstellung gab. Über Jahrzehnte hatte er die Zauberszene Südböhmens geprägt. Dieser eher schmächtige Geselle hatte sein Leben lang die Zauberei weiterentwickelt, reformiert und mit seinen beiden epochalen Mammutwerken "Et voilà! - Pointen setzen in Magie und Zauberei" sowie "Nur über meine Leiche! - Zur Ethik der Geheimniskrämerei in der Zauberei" nicht nur Basisliteratur für angehende Magier, sondern auch eine ethische Grundlage der Zauberkunst geliefert. Nun war es also an der Zeit, dieser lebenden Legende der Verwandlungszauberei einen letzten großen Auftritt zu bescheren, und František sollte sein Publikum nicht enttäuschen. Er hatte einen neuen Trick in die restlos ausverkaufte Budweiser Oper mitgebracht, mit dem er wieder einmal die Zauberei auf eine neue Ebene hieven würde. Das Publikum starrte gebannt auf Pavel Nedvěd, der etwas nervös in der Mitte der Bühne auf einem Hocker stand. Trommelwirbel, eine ausladende Handbewegung Františeks und paff...

30 Doradus (auch Tarantelnebel oder NGC 2070) ist der Inbegriff eines in der Großen Magellanschen Wolke im Sternbild Schwertfisch gelegenen Emissionsnebels. Er ist eines der größten bekannten Sternentstehungsgebiete in der lokalen Gruppe und trotz seiner Entfernung von 179.000 Lichtjahren mit kleinem Reisebudget zu erreichen. Er hat einen Durchmesser von 40' × 25' und eine scheinbare Helligkeit von +8,00 mag. Genau das Richtige für Sonnenanbeter, Freiheitsliebende und Hobbyentdecker. 30 Doradus wurde zwar schon im Jahre 1751 von dem französischen Astronomen Nicolas Louis de Lacaille entdeckt, ist aber nach wie vor nur ein Geheimptipp unter Individualtouristen. Der eingebettete Sternhaufen R136 enthält den bis heute massereichsten und hellsten bekannten Stern R136a1. Schon allein das ist eine Reise wert.



Ofen Olaf war der Enkel des legendären Ofen Oberst, seines Zeichens Zentralheizung seiner Majestät. Olaf wurde vom ersten Tag an bei Hof für seine ausgezeichneten Manieren geliebt und gelobt. Wenn es frische Briketts gab, wartete er geduldig, bis man zu ihm kam, um nachzulegen. Glimmte in ihm nur noch eine kleine Glut, machte er in höflichem Tonfall und gewählt ausgedrückt darauf aufmerksam, dass er den Eindruck habe, es könne an der Zeit sein, den Schürhaken in Gebrauch zu nehmen. Wenn er angefeuert wurde, war er der einzige in seinem jungen Alter, der es ohne Kichern und Zappeln über sich ergehen ließ. Ausgerechnet beim großen Festbankett zur Pensionierung seines Großvaters bekam Ofen Olaf zu spüren, was es bedeutet, die Kontrolle über sich selbst zu verlieren. Die ganze Familie saß schon an der Ehrentafel, als Olaf klar wurde, dass der Scheiß Hilfsheizer Grillanzünder zum Anfeuern verwendet hatte.

Gisbert hatte sich eine neue Katze gekauft. Zunächst war auch alles schön und gut gewesen. Flauschiges Fell, handliche Größe, tapsiges Auftreten, geringer Verbrauch. Doch dann, ganz allmählich, kam Gisbert die ganze Sache verdächtig vor. Es begann mit diesem Schnurren. Außerdem hielt sich das Tier zunehmend in Gisberts Nähe auf. Schließlich begann es sogar um seine Beine zu streichen. Anfangs dachte Gisbert noch, er bildete es sich ein, doch nach einer mittelfristigen Langzeitstudie hatte er Gewissheit, dass sein neuer Mitbewohner tatsächlich und zweifelsfrei an Größe gewann. Gisbert blieb kühl, ließ sich nichts anmerken und handelte in einem günstigen Augenblick schnell und entschlossen.

Um die Ecke hat eine Filiale dieser Bubble-Tea-Kette eröffnet. Vor der Eröffnung war mir ein Rätsel, was sich hinter der Bezeichnung Bubble-Tea verbarg. Ich nahm an, das neue Geschäft würde ebenso schnell scheitern wie seine Vorgänger. Nach der Eröffnung offenbarte sich mir ein Schlachtfeld. Kreuzfeuer, Kugelhagel, Gefechtslärm. Ich passierte die Demarkationslinie unter schwerem Beschuss, konnte mich ohne Wirkungstreffer hinter einem Stromkasten verschanzen und musste mit ansehen, wie ein Herr, der sich kurz nach dem Burn-Out, jedoch noch vor der Pensionierung und ganz sicher jenseits neumodischer Getränketrends zu befinden schien, einen Genickschuss einsteckte. Empört drehte er sich um, las ein paar Leviten, um schließlich fassungslos feststellen zu müssen, dass der Feind eine andere Sprache sprach.

Jüngst kam ich in den Genuss meiner ersten Zusammenarbeit mit Lichtfaktor. Im Rahmen der Luminale Frankfurt wurde der Römer mit Licht bemalt. Thema der Aktion war "Green City Frankfurt". So wurde aus dem Römer mal ein Stromfresser, mal eine Blumenwiese oder ein Nachthimmel. Ein paar Eindrücke sind unter Auftragsarbeiten zu finden.

Einer schmiss den Stein, ein anderer schaute schnell weg, ein dritter sah es, beschuldigte den anderen des Krawallmachens. Der andere schüttelte heftig den Kopf, schaute betont gelangweilt und unbeteiligt, wies mit dem Finger auf den einen und sagte: "Also tut mir leid...wenn ich gewusst hätte, was das für einen Krawall gibt, hätte ich viel früher in die andere Richtung geschaut."
Endlich eine neue Arbeit, frisch vom Hof direkt auf die Startseite.
Es ist tatsächlich eine noch frühere Schmetterlingsdarstellung aufgetaucht. Es handelt sich allerdings nur um eine Bleistiftskizze für ein Acrylgemälde. Letzteres ist nicht mehr in meinem Besitz, aber ich meine mich zu erinnern, dass der Schmetterling auf dem endgültigen Gemälde ebenso wie die Blattlaus und die vielsagende Käferaussage "Summ..." gar nicht mehr auftauchte. Im Mittelpunkt stand dabei vielmehr die herausfordernde Haltung des Maikäfers, da die Intention des Werkes ganz klar im Anprangern der Maikäferdiskriminierung lag.

Nun wieder eine Vektorgrafik aus den Tiefen meiner Festplatte. In diesem Fall hatte ich die Existenz des Bildes tatsächlich vollkommen vergessen. Fing vielleicht dort schon die Vorliebe für die Darstellung von Schmetterlingen an? Oder noch früher? Ich werde nachforschen.

Ein weiterer Cartoon aus der im Sande verlaufenen Cartoon-Kooperation. In diesem Fall stammt der Text von Christoph Herrmann.

Und noch eine fiktive Werbeanzeige, die ich auf meiner Festplatte hab schlummern sehen.

Ein weiteres Festplatten-Fundstück. Diesmal handelt es sich um einen Cartoon, der im Rahmen einer Kooperation mit Christoph Herrmann und Stefan Krah entstand. Geplant waren eigentlich monatlich erscheinende Cartoons, bei denen immer reihum einer den Text schreibt und ein anderer eine Illustration beiträgt. In diesem Fall stammt der Text von Stefan Krah. Ein sehr gutes Beispiel für große Interpretationsfreiräume für den Illustrator.
Das Vorhaben ist zwar schließlich im Sande verlaufen, ein paar Cartoons sind dabei aber entstanden. Weitere Fundstücke folgen in Kürze.

Wenn ich so meine Festplatte durchforste, stoße ich oft auf begonnene, verworfene und vergessene Ideen. Manchmal entdecke ich sogar fertige Illustrationen, die ich zum Zeitpunkt des Erstellens als der Veröffentlichung unwürdig erachtet hatte. Mit etwas Abstand können sich diese Schläfer entweder als Müll bestätigen oder in meiner Einschätzung steigen. Letzteres ist bei dieser fiktiven Werbeanzeige/Produktgestaltung der Fall.
Den Produktnamen übersetze ich lieber nicht.

Schönheit, Schmetterlinge...pah! Das vorerst letzte Bild aus der Reihe. Die Schmetterlingssammlung ist beinahe erschöpft. Und ich ebenso. Deshalb werde ich mich von nun an von der Schönheit abwenden und mich Erschöpfungs-, Angst- und Aggregatzuständen widmen.
Das nächste Tier im Fokus: der Rabe (Bild folgt in Kürze)

Als Josef sein achtundsiebzigstes Lebensjahr vollendete, dachte er über Schönheit nach. Er dachte über den elsässischen Wein nach, den er vor vierzig Jahren getrunken hatte. Er dachte an die Mitternachtssonne auf den Lofoten, die er in seinen besten Jahren erleben durfte. Er erinnerte sich an die pfirsichweiche Haut der Prostituierten, die ihn beim Schlendern durch die Herbertstraße zu einem Geschäft überreden wollte. Er dachte an die Hafenkneipe "Zum Anker", in der er kurz darauf vom Barhocker gefallen war. Und plötzlich dachte er an nichts mehr.
Links seht ihr eine kleine Montage vom Entwurf zum Werk. Das ganze Werk findet ihr unter freie Arbeiten.

Weihnachten war immer schön. Die ganze Familie kam zusammen, eine Seltenheit. Vor der Bescherung wurde ausgiebig in Revieren der Kindheit spaziert, während Vater ein exquisites Mahl zubereitete. Nach der Rückkehr aus der Kälte wurde das mehrgängige Festmahl feierlich verspeist. Dazu gab es ausgewählte Weine. Sönke machte das Essen schlecht und sprach bewusst über Fäkalien, Sex und Gewalt, um Tabus zu brechen, das Niveau zu senken und der Schönheit Einhalt zu gebieten.

Hektor hatte die Schnauze voll. Er wollte einfach nicht mehr. Er befestigte das Seil sorgfältig am Mittelbalken, knüpfte eine vorbildliche Schlinge, stellte sich auf den Stuhl und legte das grobe Seil um den Hals. Er atmete tief durch und schloss die Augen. "Nur noch ein einziges Mal die Welt sehen.", dachte Hektor, öffnete erst ein Auge, dann beide und ließ seinen Blick durch den dunklen Raum schweifen. Staubige Möbel, ein defekter Spielautomat, eine ranzige Küche. Hektor blickte am Seil empor und hielt inne.

Ich traf einen Mann, der Schmetterlinge sammelte. Er besaß einen ganzen Saal mit Vitrinen, in denen unzählige Schmetterlinge in den tollsten Farben schimmerten. Ich schlenderte an den Vitrinen vorbei, betrachtete mal diesen, mal jenen. Schließlich fragte ich den Sammler: "Welcher ist Ihr liebster Schmetterling?" Der Mann schaute mich nur fragend an. Ich fragte anders: "Welchen finden Sie am schönsten?" Der Sammler schwieg. Ich ging zu einer Vitrine und zeigte wahllos auf ein Exemplar. "Finden Sie diesen schön?" "Bah!", rief der Mann. Ich erschrak und suchte hastig einen mir schön erscheinenden Falter. Ich fand einen gelb schimmernden und fragte: "Vielleicht der hier?" "Geh mir weg mit dem!!!", antwortete der Sammler aufbrausend. Ich machte einen inzwischen ängstlichen letzten Versuch. Ich wies mit meinem Finger auf ein wahrlich prachtvolles Exemplar. Groß, mit elegant geschwungenen Flügeln, schimmerndem Rot, sanftem Gelb und intensiv leuchtendem Blau. "Und dieser?", fragte ich mit gebrochener Stimme. "Zum Kotzen!", bellte der Sammler, zerschlug die Vitrine und aß den Falter.
Und nun auch zum Aufklappen...

"Bist du traurig?", fragte man mich. "Möchtest du über deine Gefühle sprechen?", sagte man mir. "Wenn du über deine Probleme reden möchtest, bin ich für dich da.", versicherte man mir.
Vielen Dank für die Anteilnahme, aber ich hatte einfach Lust, einen hässlichen Freak mit Bärchenkostüm zu bauen.
Weitere Fotos meines neuen Freundes findet ihr im Bereich freie Arbeiten.
Ein neuer, diesmal etwas abwegigerer Entwurf für das Cover der Band Qualm ist gerade fertig geworden. Ausgangspunkt war die Eingangstür des Fabrikgeländes, auf dem sich unser Atelier befindet. Eine schöne, verrostete Stahltür mit ordentlich Schmand drauf. Vorläufige Ergebnisse seht ihr bei den Auftragsarbeiten.
Die passende Musik dazu gibt es auf http://www.qrocks.me/

Am Samstag (5.11.2011) ist es soweit. Die Lange Nacht der Kölner Museen steht an und unser Atelierhaus Kunstwerk e.V. ist nach langer Umbaupause wieder dabei.
19:00-3:00 Uhr
Raum 260
offenes Atelier
Weitere Informationen findet ihr hier.

Zur Abwechselung habe ich mal wieder per Hand gearbeitet. Im Bereich freie Arbeiten ist vor allem neues in Richtung Collage und Mischtechnik zu finden.
Diese und weitere Arbeiten können am 5.11. von 19-3 Uhr auch in echt betrachtet werden. Zur "Langen Nacht der Kölner Museen" öffnet das Kunstwerk und damit auch unser Atelier seine Pforten.
Dazu später mehr...

Ich habe eine neue Illureihe begonnen. Es handelt sich dabei um Porträtillustrationen von bekannten Persönlichkeiten aus Film und Musik. Die ersten Opfer sind Alela Diane, Jeff Bridges, Klaus Kinski und J. Mascis. Im Bereich Auftragsarbeiten sind die Illustrationen groß zu betrachten.
Ich kam gerade in den Genuss, das Cover für die EP der Band Qualm gestalten zu dürfen. Ein Genuss, da nicht nur die Musik zum Illustrieren einlädt, sondern auch der Titel der Platte derart metaphorisch ist, dass die Idee zur Illustration auf der Hand lag.
Die passende Musik dazu gibt es auf http://www.qrocks.me/

Vor ein paar Tagen dachte ich über die grundlegendste Frage des Kapitalismus nach: "Welche Bedürfnisse könnte man in den Köpfen der Konsumenten erzeugen?"
Es dauerte nicht lange auf das bereits bestehende Bedürfnis zu kommen, Nackte anzuschauen. Jeder spannt gerne. Aber niemand will als Spanner gelten. Da gab es mal eine Lösung: Die Röntgen-Brille... nicht schlecht!
Aber was wäre, wenn man nicht nur nicht als Spanner auffallen würde, sondern sogar als weltmännischer Herr durchginge, indem man die Brille trägt? Das Röntgen-Monokel ist die Lösung!